Ferienwohnung privat vermieten: wann Sie kein Gewerbe brauchen
Wer eine Ferienwohnung privat vermietet, bleibt in der Vermögensverwaltung nach § 21 EStG, zahlt keine Gewerbesteuer und verkauft die Wohnung nach 10 Jahren steuerfrei (§ 23 EStG). Entscheidend ist nicht die Zahl der Einheiten, sondern ob hotelmäßige Leistungen und eine unternehmerische Organisation dazukommen. Umsatzsteuer, Meldepflicht und Kurtaxe gelten trotzdem — auch ohne Gewerbe. Die Grenze verläuft entlang der Leistung, nicht entlang der Stückzahl.
Capitolo 01 / 10
01 — Was „privat vermieten" rechtlich überhaupt bedeutet
„Privat" ist kein Rechtsbegriff, sondern die Kurzform für private Vermögensverwaltung. Die Abgabenordnung definiert sie in § 14 Satz 3 AO ausdrücklich mit unserem Fall: „Eine Vermögensverwaltung liegt in der Regel vor, wenn Vermögen genutzt, zum Beispiel Kapitalvermögen verzinslich angelegt oder unbewegliches Vermögen vermietet oder verpachtet wird." (§ 14 AO)
Wer Vermögen in diesem Sinne nutzt, erzielt Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung nach § 21 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG. Und weil eine Vermögensverwaltung kein Gewerbe ist, greift die Anzeigepflicht des § 14 Abs. 1 GewO nicht: dort steht „wer den selbständigen Betrieb eines stehenden Gewerbes … anfängt". Kein Gewerbe, keine Gewerbeanmeldung — so einfach ist die Kette, und sie erklärt, warum das Gewerbeamt Privatvermieter regelmäßig wieder nach Hause schickt.
Der Umkehrschluss, den viele Ratgeber ziehen, ist trotzdem falsch. § 15 Abs. 2 Satz 1 EStG definiert den Gewerbebetrieb als „eine selbständige nachhaltige Betätigung, die mit der Absicht, Gewinn zu erzielen, unternommen wird und sich als Beteiligung am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr darstellt" (§ 15 EStG). Diese vier Merkmale erfüllt praktisch jede Ferienwohnung: Sie handeln selbständig, dauerhaft, mit Gewinnabsicht, und Sie bieten öffentlich auf Portalen an. Wenn Gewinnabsicht allein gewerblich machen würde, gäbe es keine private Vermietung.
Was die Einordnung tatsächlich entscheidet, ist das ungeschriebene fünfte Merkmal, das der Bundesfinanzhof aus § 14 AO herleitet: Die Tätigkeit muss den Rahmen der privaten Vermögensverwaltung überschreiten. Genau darum geht es im nächsten Abschnitt.
| Frage | Privat (§ 21 EStG) | Gewerblich (§ 15 EStG) |
|---|---|---|
| Gewerbeanmeldung beim Gewerbeamt | nein | ja (§ 14 GewO) |
| Gewerbesteuer | nein | ab 24.500 € Gewerbeertrag |
| IHK-Pflichtmitgliedschaft | nein | ja (§ 2 IHKG) |
| Buchführung | Aufstellung der Einnahmen und Werbungskosten | EÜR, bei Überschreiten der Grenzen doppelte Buchführung |
| Steuerformular | Anlage V + Anlage V-FeWo | Anlage G + Anlage EÜR |
| Verkauf der Wohnung | nach zehn Jahren steuerfrei | immer steuerpflichtig |
| Umsatzsteuer | gilt trotzdem | gilt |
| Zweckentfremdung, Kurtaxe, Meldepflicht | gelten trotzdem | gelten |
Die letzten zwei Zeilen sind der häufigste Irrtum überhaupt: „Ich vermiete privat" befreit von der Gewerbeordnung, nicht vom Umsatzsteuergesetz, nicht vom Bundesmeldegesetz und schon gar nicht vom kommunalen Zweckentfremdungsrecht.
Capitolo 02 / 10
02 — Die echte Grenze: drei Merkmale, nicht drei Wohnungen
Der BFH prüft, ob zur reinen Überlassung eine Leistung tritt, die den Charakter eines Beherbergungsbetriebs annimmt. Drei Merkmale wirken dabei zusammen: ein hotelmäßiges Angebot, eine unternehmerische Organisation und ins Gewicht fallende Sonderleistungen. Wie die Rechtsprechung diese Merkmale im Einzelnen füllt — bis zum Urteil vom 28. Mai 2020 (IV R 10/18), das drei hotelartig vermarktete Wohnungen noch der Vermögensverwaltung zuordnete — steht ausführlich im Beitrag zur Steuer bei der Ferienwohnung.
Für die Praxis zählt die Übersetzung in Tätigkeiten. Diese Liste ist die, die Sie brauchen, wenn Sie Ihr Angebot planen:
Unschädlich — bleibt private Vermögensverwaltung
- Endreinigung nach der Abreise, auch durch eine beauftragte Reinigungsfirma
- frische Bettwäsche und Handtücher zum Anreisetag bereitgelegt
- Willkommenskorb, Kaffee, Wasser, ein Ordner mit Tipps
- Schlüsselübergabe durch Nachbarn, Schlüsseltresor oder Zahlencode
- Inserate auf Portalen, eigene Website, professionelle Fotos
- Channel Manager, Buchungssoftware, automatisierte Nachrichten
- Wäscheservice, der zwischen zwei Buchungen kommt
Kritisch — kann die Einordnung kippen
- Frühstück, Halbpension, ein Restaurantbetrieb im Haus
- tägliche Zimmerreinigung während des Aufenthalts
- Wäschewechsel im laufenden Aufenthalt
- Rezeption in der Anlage, ständige Präsenz vor Ort
- angestelltes Personal für Empfang und Service
- Vermietung über die Rezeption eines Hotels, in dessen Komplex die Wohnung liegt
- ein eigenes Vermietungsbüro, das nach außen als Betrieb auftritt
Nota
Der Unterschied ist nicht der Aufwand, sondern der Zeitpunkt und die Art der Leistung. Was zwischen zwei Buchungen passiert, gehört zur Bereitstellung der Wohnung. Was während des Aufenthalts am Gast passiert, ist Beherbergung im hotelmäßigen Sinn.
Deshalb ist Automatisierung steuerlich unauffällig, Personal dagegen nicht. Ein Zahlencode am Türschloss und ein Self-Check-in ersetzen eine Rezeption — sie schaffen keine. Wer Anfragen nachts automatisch beantwortet, beschäftigt niemanden, unterhält kein Büro und erbringt keine Sonderleistung am Gast. Ein Nachtportier tut all das.
Capitolo 03 / 10
03 — Woher die „mehr als drei Wohnungen" kommen — und warum das keine Regel ist
Kaum eine Zahl wird in diesem Thema so oft zitiert wie die drei. Sie stammt aber nicht aus dem Vermietungsrecht, sondern aus einem völlig anderen Zusammenhang: der Drei-Objekt-Grenze beim gewerblichen Grundstückshandel. Grundlage ist das BMF-Schreiben vom 26. März 2004 (BStBl I S. 434, IV A 6 – S 2240 – 46/04), abgedruckt in Anhang 17 des amtlichen Einkommensteuer-Handbuchs. Dort geht es um Vermieter, die Immobilien an- und verkaufen — wer innerhalb von etwa fünf Jahren mehr als drei Objekte veräußert, handelt gewerblich.
Vermieten ist nicht verkaufen. Für die Frage, ob die laufende Ferienvermietung gewerblich ist, enthält weder das EStG noch das GewStG noch eine Verwaltungsanweisung eine Stückzahl. Es gibt keine Grenze bei drei, vier oder zehn Wohnungen.
Was stimmt: Mit der Zahl der Einheiten steigt die Wahrscheinlichkeit einer Prüfung. Ein Finanzamt, das vier oder fünf Objekte in einer Erklärung sieht, schaut genauer hin, ob nicht doch Personal, Verpflegung oder ein Büro im Spiel sind. Die Zahl ist ein Anlass zur Nachfrage, kein Tatbestand. Beides gilt in beide Richtungen:
- Fünf Wohnungen, ausschließlich vermietet, Reinigung zwischen den Buchungen, kein Personal → private Vermögensverwaltung.
- Eine Wohnung mit Frühstück und täglichem Zimmerservice → Gewerbebetrieb.
Attenzione
Wenn Sie in einem Ratgeber lesen, „ab der vierten Ferienwohnung ist die Vermietung gewerblich", ist das eine Faustregel der Beratungspraxis, die als Gesetz ausgegeben wird. Fragen Sie nach der Fundstelle — es gibt keine.
Capitolo 04 / 10
04 — Selbsttest: bleibt Ihre Vermietung privat?
Gehen Sie die Fragen der Reihe nach durch. Jedes Ja zu einem der ersten fünf Punkte ist ein starkes Indiz für Gewerblichkeit, jedes Ja zu den letzten drei nur ein Anlass, die Einordnung sauber zu dokumentieren.
| # | Frage | Gewicht |
|---|---|---|
| 1 | Bieten Sie Verpflegung an (Frühstück, Halbpension, Getränkeverkauf)? | stark |
| 2 | Wird während des Aufenthalts gereinigt oder Wäsche gewechselt? | stark |
| 3 | Gibt es eine Rezeption oder ständige Präsenz vor Ort? | stark |
| 4 | Beschäftigen Sie Personal für Empfang oder Service? | stark |
| 5 | Wird die Wohnung über die Rezeption eines Hotelbetriebs mitvermietet? | stark |
| 6 | Vermieten Sie mehr als drei Einheiten? | Indiz |
| 7 | Treten Sie mit einem eigenen Vermietungsbüro oder einer Marke nach außen auf? | Indiz |
| 8 | Kaufen und verkaufen Sie regelmäßig Objekte? | eigene Prüfung: Grundstückshandel |
Kein starkes Ja und höchstens Indizien: Sie bleiben mit hoher Wahrscheinlichkeit in § 21 EStG. Ein starkes Ja: Lassen Sie die Einordnung vor der ersten Buchung prüfen, nicht nach der ersten Betriebsprüfung. Eine rückwirkende Umqualifizierung trifft mehrere Jahre gleichzeitig.
Tip
Dokumentieren Sie, was Sie nicht anbieten. Ein Exposé, aus dem hervorgeht, dass die Reinigung nach der Abreise erfolgt und kein Service während des Aufenthalts stattfindet, ist im Zweifel wertvoller als jede nachträgliche Erklärung.
Capitolo 05 / 10
05 — Sieben Pflichten, die auch ohne Gewerbe gelten
Das ist der Abschnitt, der Privatvermieter am häufigsten kalt erwischt. Ohne Gewerbeanmeldung bleiben:
1. Einkommensteuer und die Anlage V-FeWo. Seit dem Veranlagungszeitraum 2023 gibt es für Ferienwohnungen ein eigenes Formular zusätzlich zur Anlage V. Es fragt Vermietungstage, Selbstnutzungstage, Leerstand und die ortsübliche Vermietungszeit ab.
2. Umsatzsteuer. Unternehmer im Sinne von § 2 UStG sind Sie ab der ersten regelmäßig vermieteten Wohnung — unabhängig von der einkommensteuerlichen Einordnung. Details im Abschnitt 06.
3. Meldepflicht für Gäste. Nach § 29 BMG müssen ausländische Gäste am Tag der Ankunft einen besonderen Meldeschein handschriftlich unterschreiben und sich durch ein gültiges Identitätsdokument ausweisen. § 30 Abs. 4 BMG regelt die Folge: Die Meldescheine sind vom Tag der Abreise an ein Jahr aufzubewahren und danach innerhalb von drei Monaten zu vernichten — auch im elektronischen Verfahren. Aufbewahren ist Pflicht, zu langes Aufbewahren ist ein Datenschutzverstoß. Was auf den Schein gehört, steht im Beitrag zum Meldeschein für Ferienwohnungen.
4. Kurtaxe und Beherbergungssteuer. Beide beruhen auf kommunalen Satzungen, die zwischen privater und gewerblicher Vermietung nicht unterscheiden. Anmeldung, Erhebung, Abführung und Meldefrist stehen in der Satzung Ihrer Gemeinde — nirgendwo sonst.
5. Zweckentfremdungs- und Baurecht. Ob Sie eine Wohnung überhaupt an Feriengäste vermieten dürfen, entscheidet das Land und die Gemeinde, nicht das Finanzamt. In Städten mit Zweckentfremdungsverbot brauchen Sie eine Genehmigung oder eine Registriernummer, und zwar auch als Privatvermieter mit einer einzigen Wohnung.
6. Zustimmung von Eigentümergemeinschaft und Vermieter. In der Wohnungseigentümergemeinschaft entscheidet die Teilungserklärung, im Mietverhältnis der Mietvertrag. Untervermietung ohne Erlaubnis ist ein Kündigungsgrund und wird von der Steuerfrage nicht berührt.
7. Versicherung. Die private Haftpflicht- und Wohngebäudeversicherung deckt die kurzfristige Vermietung an wechselnde Gäste in der Regel nicht ab. Die Vermietung muss dem Versicherer angezeigt und im Vertrag abgebildet werden.
Dato
Dazu kommt die Meldung der Plattformen: Airbnb, Booking und Vergleichbare übermitteln Umsätze und Nächte nach der DAC7-Richtlinie an das Bundeszentralamt für Steuern. Der Datenabgleich mit der Steuererklärung läuft automatisiert — „privat" heißt nicht „unsichtbar".
Capitolo 06 / 10
06 — Umsatzsteuer: einkommensteuerlich privat, umsatzsteuerlich Unternehmer
Diese Doppelrolle ist der Normalfall, kein Widerspruch. Seit dem 1. Januar 2025 ist die Kleinunternehmerregelung als Steuerbefreiung ausgestaltet. § 19 Abs. 1 UStG stellt Umsätze frei, wenn der Gesamtumsatz im vorangegangenen Kalenderjahr 25.000 € nicht überschritten hat und im laufenden Kalenderjahr 100.000 € nicht überschreitet (§ 19 UStG). Wird die Grenze von 100.000 € im Jahr gerissen, endet die Befreiung sofort mit dem Umsatz, der sie überschreitet.
Sind Sie steuerpflichtig — weil Sie über der Grenze liegen oder freiwillig verzichten —, gilt die Aufteilung nach § 12 UStG: 7 % auf „die Vermietung von Wohn- und Schlafräumen, die ein Unternehmer zur kurzfristigen Beherbergung von Fremden bereithält" (§ 12 Abs. 2 Nr. 11), 19 % auf Leistungen, die nicht unmittelbar der Vermietung dienen, also Frühstück, Stellplatz oder Wäschepaket (§ 12 UStG). Im Gegenzug ziehen Sie Vorsteuer aus Einrichtung, Renovierung und Software. Wie die Aufteilung in der Rechnung korrekt aussieht, zeigt der Beitrag zur Umsatzsteuer bei Ferienwohnungen.
Capitolo 07 / 10
07 — Was der Wechsel zur Gewerblichkeit konkret kostet
Wird die Vermietung gewerblich, kommt kein einzelner großer Posten, sondern eine Reihe kleiner:
| Folge | Grundlage | Größenordnung |
|---|---|---|
| Gewerbeanmeldung | § 14 Abs. 1 GewO | Gebühr setzt die Gemeinde fest — Betrag der Gebührensatzung des Gewerbeamts entnehmen |
| Gewerbesteuer | § 11 GewStG | Freibetrag 24.500 €, Steuermesszahl 3,5 %, danach der kommunale Hebesatz |
| Anrechnung | § 35 Abs. 1 EStG | das Vierfache des Steuermessbetrags, begrenzt auf die tatsächlich zu zahlende Gewerbesteuer |
| IHK-Beitrag | § 3 IHKG | freigestellt, solange der Gewerbeertrag 5.200 € nicht übersteigt |
| Buchführung | § 141 AO | doppelte Buchführung erst über 800.000 € Umsatz oder 80.000 € Gewinn |
| Verkauf | § 23 EStG greift nicht | stille Reserven immer steuerpflichtig |
Zwei Zeilen verdienen eine Erklärung. Die Gewerbesteuer ist für Einzelunternehmer weniger dramatisch als ihr Ruf, weil § 35 Abs. 1 EStG das Vierfache des Steuermessbetrags auf die Einkommensteuer anrechnet und der Abzug „auf die tatsächlich zu zahlende Gewerbesteuer beschränkt" ist (§ 35 EStG). Bis zu einem Hebesatz von rund 400 % hebt die Anrechnung die Belastung praktisch auf; eine durchgerechnete Beispielrechnung dazu steht im Steuerbeitrag.
Der IHK-Beitrag ist die Position, die Neu-Gewerbetreibende überrascht. Nach § 3 IHKG sind nicht im Handelsregister eingetragene natürliche Personen und Personengesellschaften vom Beitrag freigestellt, „soweit ihr Gewerbeertrag … 5.200 Euro nicht übersteigt" (§ 3 IHKG). Für Betriebsgründer gilt zusätzlich eine gestaffelte Befreiung in den ersten vier Jahren, wenn der Gewerbeertrag 25.000 € nicht übersteigt und in den fünf Jahren vor Eröffnung keine gewerblichen Einkünfte vorlagen. Die Mitgliedschaft selbst ist Pflicht, unabhängig vom Beitrag.
Welche Anmeldungen, Fristen und Formulare der Schritt nach sich zieht, steht im Beitrag Ferienwohnung gewerblich vermieten.
Capitolo 08 / 10
08 — Der eigentliche Wert der privaten Einordnung liegt im Verkauf
Gewerbesteuer und IHK-Beitrag sind laufende Kosten in dreistelliger bis niedriger vierstelliger Höhe. Der Unterschied, der wirklich zählt, fällt einmalig an. Nach § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG ist der Gewinn aus dem Verkauf eines Grundstücks nur steuerpflichtig, wenn „der Zeitraum zwischen Anschaffung und Veräußerung nicht mehr als zehn Jahre beträgt" (§ 23 EStG). Im Privatvermögen ist der Verkauf nach Ablauf der zehn Jahre also steuerfrei.
Gehört die Wohnung zum Betriebsvermögen eines Gewerbebetriebs, gibt es keine Haltefrist. Der Veräußerungsgewinn ist immer zu versteuern, auch nach 25 Jahren — und zwar samt der bereits genutzten Abschreibungen, die den Buchwert gesenkt haben.
Ein Beispiel mit runden Zahlen: 95.000 € Wertzuwachs zwischen Kauf und Verkauf, Grenzsteuersatz 42 %. Im Privatvermögen nach zehn Jahren: 0 €. Im Betriebsvermögen: rund 39.900 € Einkommensteuer plus Solidaritätszuschlag, und die über die Jahre abgeschriebenen Beträge erhöhen den steuerpflichtigen Gewinn zusätzlich. Wer über eine GbR mit mehreren Eigentümern vermietet, hat noch ein zweites Risiko: Die Abfärbewirkung des § 15 Abs. 3 Nr. 1 EStG kann eine gewerbliche Teiltätigkeit auf die gesamte Gesellschaft übertragen.
Capitolo 09 / 10
08-bis — Rechnet sich das überhaupt?
Die steuerliche Einordnung ist die eine Frage, die Wirtschaftlichkeit die andere. Was nach Reinigung, Plattformprovision, Leerstand und Ihrer eigenen Arbeitszeit übrig bleibt, rechnet Ferienwohnung vermieten: lohnt sich das? durch.
Capitolo 10 / 10
09 — Fünf Fehler, die aus privater Vermietung ein Gewerbe machen
Fehler 1: Frühstück „nur als kleine Aufmerksamkeit". Brötchenservice, Frühstückskorb gegen Aufpreis, Kaffeebar im Frühstücksraum — jede Verpflegungsleistung gegen Entgelt ist genau die Sonderleistung, die der BFH prüft. Ein Willkommenskorb bei Anreise ist etwas anderes als eine tägliche Lieferung.
Fehler 2: Zweckentfremdung ignorieren, weil man „ja privat" vermietet. Die kommunalen Satzungen knüpfen an die Nutzung der Wohnung an, nicht an Ihre Einkunftsart. Bußgeldrahmen im sechsstelligen Bereich sind in mehreren Ländern die Regel.
Fehler 3: Umsatzsteuer übersehen. Unternehmer sind Sie nach § 2 UStG unabhängig von § 21 EStG. Wer die Kleinunternehmergrenze reißt und weiter ohne Umsatzsteuer abrechnet, zahlt sie am Ende aus dem eigenen Ertrag nach.
Fehler 4: Meldescheine gar nicht oder für immer führen. Beides ist ein Verstoß. Ein Jahr nach Abreise aufbewahren, dann innerhalb von drei Monaten vernichten (§ 30 Abs. 4 BMG) — eine Aufgabe, die sich sauber terminieren lässt.
Fehler 5: „Sicherheitshalber" ein Gewerbe anmelden. Das ist die teuerste vorbeugende Maßnahme im ganzen Thema. Die Anmeldung begründet die IHK-Pflichtmitgliedschaft, löst die Gewerbesteuererklärung aus und dokumentiert gegenüber dem Finanzamt Ihre eigene Einschätzung, gewerblich zu handeln. Wenn Sie in der Vermögensverwaltung sind, melden Sie kein Gewerbe an.
Nota
Dieser Beitrag ersetzt keine Steuerberatung. Bei der Abgrenzung entscheidet das Gesamtbild des Einzelfalls, und Beratungskosten für die Ermittlung der Einkünfte sind selbst abziehbar. Kommunale Vorgaben zu Kurtaxe, Registriernummer und Zweckentfremdung sind immer auf dem Portal Ihrer Gemeinde zu prüfen.
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