vermietung-dach·18 min read·28. Juli 2026

Ferienwohnung vermieten: Lohnt sich das? Die volle Rechnung

Ferienwohnung vermieten: Lohnt sich das? Die volle Rechnung

Bei 165 belegten Nächten und 132 € pro Nacht liegt der Netto-Cashflow einer Ferienwohnung bei knapp 2 Prozent des eingesetzten Kapitals. Aus 24.855 € Umsatz bleiben nach allen Kosten und Steuern 7.033 € — bei 360.000 € Kapital und rund 155 Stunden eigener Arbeit. Unten steht diese Rechnung vollständig aufgeschlüsselt, mit den Bandbreiten für Küste, Alpen, Stadt und Land und den Konstellationen, in denen sie nicht aufgeht.


01

Capitolo 01 / 13

01 — Drei Kennzahlen, nicht eine

„Lohnt sich das" ist keine Frage, sondern drei. Wer sie vermischt, rechnet sich die Ferienwohnung schön:

  1. Operativer Überschuss. Umsatz minus laufende Kosten, ohne Finanzierung und ohne Abschreibung. Die Zahl sagt, ob der Betrieb selbst funktioniert.
  2. Netto-Cashflow. Operativer Überschuss minus Zinsen, minus Einkommensteuer. Die Zahl, die tatsächlich auf dem Konto landet. Die Tilgung gehört nicht hierher — sie ist Vermögensaufbau, kein Aufwand, kostet aber Liquidität.
  3. Stundenlohn. Netto-Cashflow geteilt durch die eigenen Arbeitsstunden. Die Kennzahl, die fast niemand rechnet und die am ehesten erklärt, warum viele Vermieter nach drei Jahren aufhören.

Erst wenn alle drei Zahlen auf dem Tisch liegen, lässt sich mit der Dauervermietung oder mit einem ETF vergleichen. Die reine Bruttomietrendite („Jahresumsatz durch Kaufpreis") ist bei Ferienwohnungen praktisch wertlos, weil die Kostenquote hier bei 55 bis über 100 Prozent liegt und nicht bei 20 Prozent wie in der Dauervermietung.

02

Capitolo 02 / 13

02 — Der Umsatz: was realistisch ist und was nicht

Für den Preis pro Nacht gibt es belastbare Marktdaten. Holidu hat für die Hochsaison 2025 (15. Juni bis 15. September) einen deutschen Durchschnitt von 143 € pro Nacht ermittelt, mit 164 € an der Ostsee, 147 € an der Nordsee, 139 € in Bayern, 129 € im Schwarzwald und 105 € im Bayerischen Wald (Holidu, Ferienhauspreise Sommer 2025).

Zwei Einschränkungen, die in Renditerechnungen regelmäßig unterschlagen werden: Es sind Hochsaisonpreise für Objekte für zwei bis acht Personen, ermittelt aus Suchanfragen auf einer Plattform — nicht der Jahresdurchschnitt einer 68-m²-Wohnung. Und es sind Bruttopreise inklusive der Beträge, die als Reinigungspauschale oder Provision wieder abfließen.

Als Arbeitsannahme rechnen wir im Folgenden mit einem Jahresmittel von 75 bis 85 Prozent des Hochsaisonpreises. Das ist eine Setzung, keine Statistik: Nebensaisonrabatte, Wochenpreise und Last-Minute-Nachlässe ziehen den erzielten Durchschnitt gegenüber dem angezeigten Preis nach unten.

Bei der Belegung ist die Datenlage dünner, weil die amtliche Beherbergungsstatistik nur Betriebe ab zehn Betten erfasst — und über 80 Prozent des deutschen Angebots kommt von privaten Vermietern unterhalb dieser Grenze (Marktstudie 2024 des Deutschen Ferienhausverbands mit Statista Q: 555.111 Ferienwohnungen und -häuser, über 2,6 Mio. Betten, stärkster Monat August mit 39 Prozent Auslastung).

Nützlicher ist die Rechenlogik der Landesstatistik. Das Statistische Landesamt Mecklenburg-Vorpommern illustriert die ortsübliche Vermietungszeit mit einer Bettenauslastung von 24,5 Prozent, was 89 belegten Tagen im Jahr entspricht (statistik.tourismus.mv). Genau in dieser Größenordnung liegen viele reale Gemeinden — nicht bei den 70 Prozent, mit denen Verkaufsprospekte arbeiten.

Daraus die Arbeitsannahmen für dieses Rechenbeispiel, Lage für Lage:

Lage Belegte Nächte/Jahr Preis/Nacht im Jahresmittel Kommentar
Nord- und Ostseeküste, etabliert 150–200 110–160 € Zwei starke Saisons, tragfähige Nebensaison
Alpen und Alpenvorland 140–180 100–150 € Winter trägt nur mit Skigebiet in Reichweite
Mittelgebirge ohne Zugpferd 90–130 80–110 € Wochenendlastig, kurze Aufenthalte
Großstadt 180–240 90–140 € Zweckentfremdungsrecht begrenzt oft auf wenige Wochen
Ländlich ohne Attraktion 50–100 65–95 € Rechnung geht meist nicht auf

Attenzione

Der häufigste Rechenfehler: Die „Auslastung" in Plattform-Dashboards ist belegte Nächte geteilt durch verfügbare Nächte. Wer den Kalender nur 120 Nächte öffnet und davon 96 verkauft, liest 80 Prozent — hat aber 26 Prozent des Jahres belegt. Für die Wirtschaftlichkeit zählt nur die zweite Zahl.

03

Capitolo 03 / 13

03 — Alle Kostenblöcke, einer nach dem anderen

Reinigung und Wäsche. Der größte variable Posten und der, der die Marge kurzer Aufenthalte auffrisst. Eine Endreinigung von 60 bis 90 m² kostet extern 60 bis 90 €, Wäschemiete 18 bis 26 € je Wechsel, Verbrauchsmaterial 5 bis 10 €. Die Reinigungspauschale, die der Gast zahlt, deckt das in der Praxis knapp — und auf die Pauschale fällt zusätzlich Plattformprovision an.

Plattformprovisionen. Airbnb nennt für das einheitliche Servicegebührenmodell 15,5 Prozent für die meisten Gastgeber (14 bis 16 Prozent in Einzelfällen); im alten geteilten Modell zahlten Gastgeber 3 Prozent und Gäste 14,1 bis 16,5 Prozent (Airbnb Hilfe-Center). Wer über eine Vermietungssoftware angebunden ist, fällt in der Regel unter das Gastgeber-Modell — die Gebühr steigt also von 3 auf rund 15 Prozent, und sie greift auch auf die Reinigungspauschale. Bei Booking.com ist der Satz vertraglich vereinbart und im Extranet einsehbar; marktüblich sind in Deutschland etwa 15 Prozent, mit Programmen wie Preferred Partner mehr. Direktbuchungen sind provisionsfrei, kosten aber Zahlungsgebühren von 1,4 bis 2,5 Prozent.

Energie und Internet. Bei Ferienvermietung ist der Verbrauch pro belegter Nacht höher als bei Dauermietern: Heizung läuft für ankommende Gäste vor, Handtücher werden täglich gewechselt, niemand spart fremdes Warmwasser. 1.900 bis 3.000 € pro Jahr für Strom, Wasser und Heizung sind für 70 m² bei 150 bis 200 Nächten realistisch, dazu 350 bis 480 € für Internet.

Hausgeld, Grundsteuer, Rücklage. Das Hausgeld läuft weiter, auch im Februar ohne Buchung. Wichtig für die Steuer: Zahlungen in die Erhaltungsrücklage sind erst abziehbar, wenn die Gemeinschaft sie tatsächlich verausgabt — Liquidität fließt vorher ab, der Werbungskostenabzug kommt später.

Versicherung. Die private Hausratversicherung deckt Kurzzeitvermietung meist nicht. Ein vollständiges Paket aus Haus- und Grundbesitzerhaftpflicht, Gebäude- und Inhaltsversicherung liegt für eine einzelne Wohnung bei 500 bis 1.200 € pro Jahr — welche Bausteine wirklich nötig sind und warum AirCover keine Versicherung ist, steht in der Übersicht zur Ferienwohnung-Versicherung.

Verwaltung. Hier entscheidet sich die Rechnung. Eine Vollverwaltung durch eine Agentur kostet 18 bis 25 Prozent des Umsatzes, reine Vermarktung 8 bis 12 Prozent. Bei 25.000 € Umsatz sind 20 Prozent rund 5.000 € — mehr als der operative Überschuss vieler Objekte.

Instandhaltung und Inventarersatz. Kurzzeitvermietung verbraucht Ausstattung schneller als Dauervermietung. 1.200 bis 1.800 € pro Jahr für Kleinreparaturen plus 500 bis 800 € für Ersatzbeschaffungen sind keine Vorsicht, sondern Erfahrungswert. Matratzen, Sofa und Geschirr sind nach fünf bis acht Jahren durch.

Steuerberatung und Fahrten. 350 bis 600 € für die Anlage V-FeWo, Fahrten zum Objekt mit 0,30 € je Kilometer.

Abschreibung. Sie mindert den steuerpflichtigen Überschuss, kostet aber keine Liquidität: 2 Prozent des Gebäudewerts bei Fertigstellung zwischen 1925 und 2022, 3 Prozent ab 2023, dazu die Möbel-AfA. Die Details, die degressive 5-%-Abschreibung (die für Ferienwohnungen ausfällt) und die 25-%-Grenze bei der Liebhaberei stehen im Beitrag zur Steuer bei der Ferienwohnung.

04

Capitolo 04 / 13

04 — Kurtaxe, Bettensteuer, Umsatzsteuer: welche Abgabe Ihre Marge trifft

Drei Abgaben werden regelmäßig verwechselt, und nur zwei kosten Geld.

Die Kurtaxe ziehen Sie beim Gast ein und führen sie an die Gemeinde ab. Sie ist kein Ertrag und kein Aufwand — ein durchlaufender Posten. Teuer wird sie nur, wenn Sie sie in den Nächtigungspreis einrechnen, statt sie gesondert auszuweisen: Dann tragen Sie sie selbst und zahlen zusätzlich Provision darauf.

Die kommunale Übernachtungssteuer (Bettensteuer, Beherbergungssteuer) ist dagegen ein echter Kostenblock, wenn Sie sie nicht weitergeben. München erhebt seit dem 1. Januar 2025 fünf Prozent auf den Übernachtungspreis; andere Kommunen liegen zwischen etwa 3 und 7,5 Prozent, viele erheben gar keine. Den Satz und die Frage, wer sie schuldet, klärt ausschließlich die Satzung Ihrer Gemeinde.

Bei der Umsatzsteuer gilt für die kurzfristige Beherbergung der ermäßigte Satz von 7 Prozent (§ 12 Abs. 2 Nr. 11 UStG). Entscheidend ist aber die Kleinunternehmerregelung: Nach § 19 UStG ist der Umsatz steuerfrei, wenn der Gesamtumsatz im Vorjahr 25.000 € nicht überschritten hat und im laufenden Jahr 100.000 € nicht überschreitet (§ 19 UStG). Die 25.000 € sind eine harte Planungsgrenze: Das Basisbeispiel unten landet bei 24.855 € Umsatz — 145 € unter der Linie. Eine Buchung mehr, und im Folgejahr müssen Sie 7 Prozent aus Ihrem Preis herausrechnen oder auf den Gastpreis aufschlagen. Im Gegenzug wird der Vorsteuerabzug möglich, was bei Renovierung oder Neumöblierung schnell mehr wert ist als die Ersparnis.

05

Capitolo 05 / 13

05 — Das vollständige Rechenbeispiel

Das Objekt68 m², Baujahr 1996, im Allgäu, 2023 für 340.000 € inklusive Kaufnebenkosten erworben. Bodenanteil 20 Prozent, Gebäudewert also 272.000 €. Möblierung und Ausstattung 20.000 €. Eingesetztes Kapital 360.000 €. Keine Eigennutzung. 165 belegte Nächte in 41 Aufenthalten, 30 Prozent der Buchungen direkt.

Einnahmen Betrag
Übernachtungen (165 × 132 €) 21.780 €
Endreinigung (41 × 75 €) 3.075 €
Umsatz gesamt 24.855 €
Laufende Kosten Betrag
Reinigung durch Dienstleister (41 × 70 €) −2.870 €
Wäschemiete (41 × 22 €) −902 €
Verbrauchsmaterial (41 × 7 €) −287 €
Plattformprovision (70 % des Umsatzes × 15,5 %) −2.697 €
Zahlungsgebühren Direktbuchungen −134 €
Strom, Wasser, Heizung −2.400 €
Internet −420 €
Hausgeld ohne Erhaltungsrücklage −1.680 €
Grundsteuer −320 €
Versicherungen −780 €
Software, PMS und Gästekommunikation −660 €
Instandhaltung und Kleinreparaturen −1.400 €
Ersatzbeschaffung Inventar −600 €
Steuerberatung −450 €
Fahrten (6 × 420 km × 0,30 €) −756 €
Fotos, Website, Werbung −300 €
Laufende Kosten gesamt −16.656 €

Die Kostenquote liegt damit bei 67 Prozent des Umsatzes — vor Finanzierung, vor Abschreibung, vor Steuern. Dazu kommen 900 € Einzahlung in die Erhaltungsrücklage, die Liquidität kosten, aber noch nicht abziehbar sind.

Ergebnis Betrag
Umsatz 24.855 €
Laufende Kosten −16.656 €
Erhaltungsrücklage (nicht abziehbar) −900 €
Operativer Cash-Überschuss 7.299 €
Gebäude-AfA (2 % von 272.000 €) −5.440 €
Möbel-AfA (20.000 € über 10 Jahre) −2.000 €
Steuerpflichtiger Überschuss 759 €
Einkommensteuer bei 35 % Grenzsteuersatz −266 €
Netto-Cashflow 7.033 €

7.033 € auf 360.000 € eingesetztes Kapital sind 1,95 Prozent. Das ist das ehrliche Ergebnis eines gut gebuchten, selbst verwalteten Objekts in einer echten Ferienregion, ohne Kredit.

06

Capitolo 06 / 13

06 — Dieselbe Wohnung mit 240.000 € Darlehen

Jetzt mit 70 Prozent Fremdkapital, 3,8 Prozent Zins, 2 Prozent Tilgung:

Position Betrag
Operativer Cash-Überschuss 7.299 €
Zinsen (3,8 % auf 240.000 €) −9.120 €
Steuerlicher Verlust (759 € − 9.120 €) −8.361 €
Steuererstattung bei 35 % +2.926 €
Cashflow vor Tilgung 1.105 €
Tilgung (2 %) −4.800 €
Liquiditätssaldo −3.695 €

Die Wohnung kostet den Eigentümer also rund 3.700 € pro Jahr aus eigener Tasche, wovon 4.800 € Vermögensaufbau sind. Das ist nicht automatisch schlecht — es ist aber etwas völlig anderes als „die Wohnung finanziert sich selbst". Und es funktioniert nur, solange die Belegung hält: Fallen 30 Nächte weg, sinkt der operative Überschuss um rund 3.400 €, und der Zuschussbedarf verdoppelt sich fast.

07

Capitolo 07 / 13

07 — Schwach, Basis, stark: die Spannweite

Gleiches Objekt, gleiches Kapital, drei Lagen. Die Kostenblöcke skalieren mit den Aufenthalten, die Festkosten bleiben.

Ländlich (95 Nächte, 96 €) Basis (165 Nächte, 132 €) Küste (195 Nächte, 158 €)
Umsatz 10.680 € 24.855 € 34.550 €
Barkosten inkl. Rücklage 13.759 € 17.556 € 20.412 €
Kostenquote 129 % 71 % 59 %
Operativer Cash-Überschuss −3.079 € 7.299 € 14.138 €
Steuer bzw. Erstattung 0 € −266 € −2.659 €
Netto-Cashflow −3.079 € 7.033 € 11.479 €
Rendite auf 360.000 € −0,9 % 1,95 % 3,2 %

Zwei Lesehinweise. Erstens: Unterhalb von etwa 100 belegten Nächten ist das Objekt ohne Finanzierung bereits cashnegativ, weil die Festkosten bleiben. Zweitens: Die Küstenspalte ist rechnerisch korrekt, aber unterstellt denselben Kaufpreis. Real kostet eine Wohnung mit dieser Nachfrage deutlich mehr als 340.000 € — womit die Rendite wieder Richtung Basisfall rutscht. Das ist der Grund, warum Lagequalität allein keine Rendite erzeugt: Sie ist im Kaufpreis eingepreist.

08

Capitolo 08 / 13

08 — Der Stundenlohn

Für das Basisjahr mit 41 Aufenthalten, selbst verwaltet:

Tätigkeit Stunden/Jahr
Gästekommunikation vor, während und nach dem Aufenthalt (41 × 55 Min) 38
Kalender-, Preis- und Inseratspflege 30
Koordination von Reinigung und Handwerkern 20
Buchhaltung, Kurtaxe-Meldung, Steuerunterlagen 25
Fahrten und Arbeiten vor Ort 42
Summe 155

7.033 € auf 155 Stunden sind 45 € pro Stunde — netto nach Steuern, ordentlich bezahlt. Wer zusätzlich selbst putzt, spart 2.870 € und investiert rund 100 Stunden mehr: 9.903 € auf 255 Stunden, also 39 € pro Stunde.

Die entscheidende Einsicht steckt in der Zusammensetzung: Der Ertrag ist im Wesentlichen Arbeitsentgelt, nicht Kapitalertrag. Wer die Arbeit vollständig abgibt, gibt bei diesem Umsatzniveau auch den Ertrag ab. Eine Ferienwohnung ist damit kein passives Investment, sondern ein Nebengewerbe mit Immobilie — die Grenze zur Gewerblichkeit und was sie steuerlich bedeutet, klärt der Beitrag zum privaten Vermieten einer Ferienwohnung.

09

Capitolo 09 / 13

09 — Ferienwohnung oder Dauervermietung?

Dieselbe Wohnung unmöbliert dauervermietet, 11,50 €/m² Kaltmiete:

Position Betrag
Kaltmiete (68 m² × 11,50 € × 12) 9.384 €
Nicht umlagefähige Kosten, Verwaltung, Instandhaltung −2.180 €
Operativer Cash-Überschuss 7.204 €
Gebäude-AfA −5.440 €
Steuer bei 35 % auf 1.764 € −617 €
Netto-Cashflow 6.587 €

Der Unterschied beträgt 446 € pro Jahr — bei 155 Stunden Arbeit, 20.000 € zusätzlichem Kapital für die Möblierung, Saisonrisiko und Bewertungsrisiko durch Gästerezensionen. Die Ferienvermietung gewinnt erst deutlich, wenn eines von drei Dingen zutrifft: Der erzielbare Preis liegt klar über 150 € im Jahresmittel, die Belegung über 180 Nächten, oder die örtliche Kaltmiete ist gedeckelt und niedrig. In Regionen mit hoher Kaltmiete und mittlerer Touristennachfrage ist die Dauervermietung nach Stunden gerechnet fast immer überlegen.

10

Capitolo 10 / 13

10 — Wann es sich nicht lohnt

Zone mit schwacher Nachfrage. Unter 100 belegten Nächten trägt der Umsatz die Festkosten nicht. Dazu kommt das steuerliche Risiko: Liegt die Auslastung mindestens 25 Prozent unter der ortsüblichen Vermietungszeit, prüft das Finanzamt die Einkünfteerzielungsabsicht — und streicht im Zweifel die Verluste. Die ortsübliche Vermietungszeit erfragen Sie vor dem Kauf beim Statistischen Landesamt oder beim Tourismusverband der Gemeinde.

Feindselige Eigentümergemeinschaft. Der BGH hat am 12. April 2019 entschieden, dass ein Verbot der Kurzzeitvermietung nicht per Mehrheitsbeschluss durchsetzbar ist, sondern die Zustimmung aller Wohnungseigentümer braucht, wenn die Teilungserklärung die kurzzeitige Vermietung erlaubt (V ZR 112/18, Pressemitteilung des BGH). Das Gericht hat aber ebenso klargestellt, dass Miteigentümer bei Lärm, Hausordnungsverstößen oder Überbelegung auf Unterlassung klagen können. Praktisch heißt das: Recht haben schützt nicht vor Kosten. Ein streitiges Verfahren kostet 2.000 bis 6.000 € Anwalts- und Gerichtskosten, dauert Jahre und läuft parallel zum Betrieb. In einem Haus mit acht Parteien, von denen sechs gegen Feriengäste sind, ist die Wohnung wirtschaftlich tot, unabhängig von der Rechtslage.

Hohes Darlehen. Die Rechnung in Abschnitt 06 zeigt es: Bei 3,8 Prozent Zins auf 240.000 € ist der operative Überschuss aufgebraucht. Die Faustregel, die aus den Zahlen folgt: Übersteigt die Jahreszinslast den operativen Cash-Überschuss der schwachen Szenariospalte, hängt das Modell vollständig an der Belegung — und die ist die volatilste Größe der ganzen Rechnung.

Große Entfernung. Bei 200 km einfacher Fahrt kostet jede Fahrt 126 € plus einen Tag. Sechs Fahrten sind schon 756 €, und für jeden Wasserschaden, jede ausgefallene Heizung und jeden verlorenen Schlüssel brauchen Sie jemanden vor Ort. In der Praxis endet das bei einer Agentur mit 18 bis 25 Prozent Umsatzbeteiligung — also bei minus 4.500 bis 6.200 € im Basisfall, was den Netto-Cashflow auf nahe Null bringt.

Geplante Eigennutzung in der Hochsaison. Drei Wochen im August selbst nutzen kostet nicht drei von 52 Wochen Umsatz, sondern die drei teuersten. Bei 20 bis 25 Prozent des Jahresumsatzes und der zusätzlichen Aufteilung der zeitunabhängigen Kosten im Verhältnis von Vermietungs- zu Selbstnutzungstagen bleibt oft nichts mehr übrig. Wer die Wohnung primär selbst nutzen will, sollte sie nicht als Investment rechnen.

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Capitolo 11 / 13

11 — Die sieben Zahlen, die Sie vor dem Kauf brauchen

  1. Ortsübliche Vermietungszeit der konkreten Gemeinde, nicht der Region.
  2. Zweckentfremdungs- und Baurecht: Ist die touristische Nutzung überhaupt zulässig?
  3. Teilungserklärung und Beschlusssammlung der Eigentümergemeinschaft.
  4. Verfügbarkeit einer Reinigungskraft vor Ort — in Ferienorten der härteste Engpass, härter als die Nachfrage.
  5. Kurtaxe und Übernachtungssteuer nach der Satzung der Gemeinde.
  6. Provisionsmodell der Kanäle, die Sie tatsächlich nutzen werden.
  7. Stresstest der Finanzierung mit 20 Prozent weniger Belegung und 15 Prozent weniger Preis.
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Capitolo 12 / 13

12 — Wo Automatisierung wirklich etwas bringt

Der größte einzelne Zeitblock ist die Gästekommunikation: 38 Stunden im Basisjahr, verteilt auf hunderte Nachrichten zu Anreise, Schlüssel, WLAN, Parkplatz und Kurtaxe — oft abends, oft auf Englisch, Italienisch oder Niederländisch. Automatisierung erhöht keinen Preis und füllt keinen Kalender. Sie verändert den Stundenlohn und die Bewertungsqualität, weil Gäste schnelle Antworten mit Sternen belohnen.

Verto AI ist ein KI-Concierge auf WhatsApp, der Text, Fotos und Sprachnachrichten in über 25 Sprachen versteht und über 12.000 gemessene Konversationen zu 85 Prozent ohne Eingriff des Vermieters abschließt. Integrationen bestehen unter anderem zu Smoobu, Lodgify, Beds24, Hospitable, Hostaway, Guesty, OwnerRez und SmartPMS; Setup rund 30 Minuten, ab 24,90 € pro Apartment und Monat, keine Mindestlaufzeit, jederzeit kündbar. In der Rechnung oben stecken diese 660 € in der Zeile „Software, PMS und Gästekommunikation" — sie ersetzen bei 41 Aufenthalten den Großteil der 38 Kommunikationsstunden.

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Capitolo 13 / 13

13 — Fazit

Die Ferienwohnung lohnt sich, wenn drei Bedingungen zusammenkommen: mindestens 140 bis 150 belegte Nächte, ein Jahresmittelpreis über 120 €, und die Bereitschaft, Verwaltung und Kommunikation selbst zu übernehmen. Dann liegt der Netto-Cashflow im Basisfall bei rund 7.000 € und der Stundenlohn bei etwa 45 €. Sie lohnt sich nicht bei schwacher Ortsnachfrage, hoher Zinslast, feindseliger Eigentümergemeinschaft, großer Entfernung oder geplanter Eigennutzung im August. Und sie ist in fast keinem Fall ein passives Investment — der Ertrag ist überwiegend bezahlte eigene Arbeit.


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Häufige Fragen

Die häufigsten Leserfragen.

Lohnt sich die Vermietung einer Ferienwohnung überhaupt noch?+

Sie lohnt sich, wenn Lage und Betrieb zusammenpassen. Im Basisbeispiel mit 165 belegten Nächten und 132 € pro Nacht bleiben von 24.855 € Umsatz nach allen Kosten und Steuern 7.033 € — 1,95 Prozent auf 360.000 € eingesetztes Kapital, plus 155 Stunden eigene Arbeit. In einer starken Küstenlage sind rund 11.500 € und 3,2 Prozent erreichbar, in schwachen Lagen ist das Ergebnis negativ.

Wie viele Nächte muss eine Ferienwohnung belegt sein, damit sie sich rechnet?+

Als Orientierung: unterhalb von etwa 100 belegten Nächten pro Jahr trägt der Umsatz die Festkosten nicht mehr, weil Hausgeld, Versicherung, Grundsteuer und Instandhaltung unabhängig von der Belegung anfallen. Ab 140 bis 150 Nächten wird der Betrieb bei einem Jahresmittelpreis über 120 € tragfähig. Die maßgebliche Zahl sind belegte Kalendernächte, nicht die Auslastungsquote im Plattform-Dashboard.

Wie hoch sind die laufenden Kosten einer Ferienwohnung pro Jahr?+

Für eine 68-m²-Wohnung mit 165 belegten Nächten summieren sich die laufenden Kosten im Beispiel auf 16.656 €, also 67 Prozent des Umsatzes. Größte Blöcke: Reinigung und Wäsche mit rund 4.000 €, Plattformprovisionen mit rund 2.800 €, Energie mit 2.400 €, Hausgeld mit 1.680 € und Instandhaltung mit 2.000 €. Versicherungen liegen bei 500 bis 1.200 € pro Jahr.

Ist eine Ferienwohnung rentabler als eine Dauervermietung?+

Nur bei deutlich überdurchschnittlicher Nachfrage. Im Beispiel liefert die Ferienvermietung 7.033 € Netto-Cashflow, die Dauervermietung derselben Wohnung 6.587 € — ein Vorsprung von 446 € bei 155 Stunden Arbeit, 20.000 € zusätzlichem Möblierungskapital und Saisonrisiko. Die Ferienvermietung gewinnt klar erst über 180 belegten Nächten oder bei einem Jahresmittelpreis über 150 €.

Wann lohnt sich eine Ferienwohnung nicht?+

In fünf Konstellationen: bei schwacher Ortsnachfrage unter 100 Nächten, bei einer Zinslast, die den operativen Überschuss übersteigt, in einer Eigentümergemeinschaft, die die Vermietung bekämpft, bei mehr als 200 km Entfernung ohne Betreuung vor Ort, und wenn Sie die Hochsaison selbst nutzen wollen. Die drei August-Wochen kosten rund ein Viertel des Jahresumsatzes.